Erfolgreiche Provenienzforschung bündeln – nicht institutionell aufblähen

+++ Pressemitteilung | Blaue Partei #TeamPetry +++

Dr. Kirsten Muster: Im Sächsischen Landtag werden heute unter Tagesordnungspunkt 5 die Abgeordneten über einen Antrag der Grünen mit dem Titel „Erforschung und Rückgabe von NS-Raubgut an öffentliche Bibliotheken in Sachsen voranbringen“, Drucksachennummer 6/17064 sprechen.

Dr. Kirsten Muster, MdL (Blaue Partei) und Mitglied der Blauen Gruppe im Sächsischen Landtag dazu:
„Die Abgeordneten der blauen Partei lehnen den Antrag ab. Eine Ausnahme bildet lediglich der erste Punkt. Selbstverständlich unterstützen wir zwar die Erforschung und Rückgabe von NS-Raubgut an und aus öffentlichen Bibliotheken in Sachsen oder den Sächsischen Museen. Was wir aber nicht wollen, ist die Schaffung von Doppelstrukturen in diesem Bereich.
Die Grünen in Gestalt von Dr. Claudia Maicher haben der Staatsregierung im Zuge einer Kleinen Anfrage bereits umfassende Antworten zur Provenienzforschung und deren Stand entlocken können. Diese Antworten waren eindeutig und zeigten, dass die sächsischen Bibliotheken bisher noch nicht ausreichend der Selbstverpflichtung zur Restitution nachgekommen sind.
Sie haben aber deutlich hervorgebracht – es gibt oder gab bereits mehrere Projekte in Dresden, Leipzig und Bautzen zur Provenienzforschung. Insbesondere noch ein aktuell laufendes an der Sächsischen Landes- und Universitätsbibliothek (SLUB).
Die Grünen sollten sich dafür einsetzen, dass das dieses derzeit laufende Projekt an der SLUB über das Jahr 2020 hinaus fortgeführt und erforderlichenfalls erweitert wird und nicht nach neuen Strukturen und Einrichtungen rufen, die dann womöglich auch noch parallel, im schlimmsten Fall aneinander vorbei arbeiten.
Die SLUB hat sich bereits ausführlich mit der Erforschung und Rückgabe von NS-Raubgut beschäftigt. Daher halte ich sie aufgrund ihrer in den vorangegangenen und laufenden Projekten gesammelten Erfahrungen für eine ausgesprochen geeignete Koordinationsstelle.
Das sieht auch die Staatsregierung so. Sie betont in ihrer Stellungnahme zum Antrag, dass eine mögliche weitere Stärkung des Bereiches auf den bestehenden und etablierten Strukturen und Kompetenzen aufbauen sollte!
Was neben der Erfahrung weiterhin für die SLUB als Hauptansprechpartnerin beziehungsweise Koordinationsstelle spricht, ist die räumliche Nähe zu den Staatlichen Kunstsammlungen (SKD), die ebenfalls in Dresden ihren Hauptsitz haben.
Die SKD klären seit 2008 im Rahmen des ‚Daphne‘-Projekts systematisch die Herkunft ihrer Erwerbungen seit 1933. Im Zusammenhang damit werden auch wissenschaftliche Forschungen durchgeführt, es wird versucht Rechtssicherheit über sämtliche Bestände zu erhalten und die gewonnenen Erkenntnisse transparent darzustellen. Eine Vernetzung der SKD und der SLUB erscheint daher sinnvoll. Beide Stellen können so gegenseitig von ihren gewonnenen Erfahrungen profitieren und im ständigen Austausch stehen. Die SLUB und die SKD sollten im Bereich der Provenienzforschung nicht losgelöst voneinander agieren.
Auch ich habe übrigens Ende letzten Jahres eine Kleine Anfrage zur Provenienzforschung gestellt.
Dabei habe ich nach Exponaten in den staatlichen und kommunalen Museen im Freistaat Sachsen gefragt, die vor der Übernahme durch die Museen – sei es durch Ankauf oder als Dauerleihgabe – Eigentum von Bürgern der DDR waren, die eine Ausreiseantrag gestellt hatten.
Meine Fragen wurden von der Staatsregierung leider nur sehr dürftig beantwortet.
Entsetzt war ich jedoch darüber, dass im Bereich der Staatlichen Kunstsammlungen und des Landesamtes für Archäologie die Anfragen von Betroffenen statistisch nicht erfasst werden. An dieser Stelle muss sich dringend etwas ändern. Auch die Anzahl der Anfragen von Eigentümern oder Erben – sei es zu Kunstobjekten oder Büchern – sollte unbedingt statistisch erhoben werden. Die Anzahl der Anfragen stellt nach meiner Meinung auch ein wichtiges Kriterium dar, um nachprüfen zu können, wie erfolgreich die Restitutionsverfahren ablaufen oder an welchen Stellen es hakt.“