Praktisches Jahr der Ärzte: Antrag der Grünen bietet wenig Neues, Stellungnahme der Staatsregierung ist eine große Enttäuschung

Zum von der Fraktion Bündnis 90 / Die Grünen eingebrachten Antrag, „Praktisches Jahr nicht zum Null-Tarif – Medizinstudium attraktiver machen“ erklärt

Dr. Kirsten Muster, hochschulpolitisches Sprecherin, MdL der Blauen Partei #TeamPetry:

„Grundsätzlich bietet der Antrag der Grünen vernünftige Ansätze. Allerdings berücksichtigt er nicht einmal ansatzweise alle Forderungen von Medizinstudenten: Etwa den BAföG-Höchstsatz als Aufwandsentschädigung sowie für alle über 25-jährigen zusätzlich den Krankenversicherungsbeitrag, mindestens vier Stunden Lehrveranstaltungen und mindestens acht Stunden Selbststudium pro Woche oder eigene Arbeitskleidung und Aufbewahrungsmöglichkeiten für Kleidung und persönliche Gegenstände.

Generell sollten aber auch die Studenten an anderen Lehrkrankenhäusern und akademischen Lehrpraxen zukünftig eine angemessene Aufwandsentschädigung erhalten! Es hat mich beruhigt, dass die Krankenhäuser des Landkreises Meißen, kurz Elblandkliniken Riesa und Radebeul genannt, 400 € Aufwandsentschädigung bezahlen. Sie sind Lehrkrankenhäuser der TU Dresden. Schade, dass die Unikliniken Dresden und Leipzig nichts bezahlen. Auch im Ländervergleich behandelt Sachsen seine Medizinstudenten schlecht. Der PJ- Aufwandentschädigungsliste des Hartmannbundes entnehmen wir, dass z. B. die Uniklinik Mainz 700 € und die Helios Klinik Gotha 700 € bezahlen. Es zeigt sich wieder, dass die sächsische Koalition ihre Großbaustellen nur halbherzig angeht. Natürlich brauchen wir bei einem drohenden Ärztemangel auf dem Land auch attraktive PJ-Angebote.

Die Stellungnahme der Staatsregierung zum Antrag der Grünen ist eine große Enttäuschung. Wenn man weiß, wie Frau Staatsministerin Dr. Stange für die ordentliche Bezahlung von Theatern und Orchestern im ländlichen Raum kämpfen konnte, und mal eben sieben Millionen extra locker machte, obwohl Kreise und Gemeinden originär zuständig sind, ist ihre Abwehrhaltung bei der Entlohnung des PJ unverständlich und sehr enttäuschend. Die Vorschläge der Grünen wurden einfach abgetan. Die Antwort der Staatsregierung las sich so, als hätte die zuständige Wissenschaftsministerin kein Interesse an einer finanziellen Verbesserung der PJ-Bedingungen. Die Staatsregierung betont, dass sie keine Einflussmöglichkeiten hat und die Universitätskliniken nicht zur Zahlung einer Vergütung verpflichten kann.“