Dr. Kirsten Muster: Dialogangebot von Schriftstellerin Juli Zeh – Warum erst jetzt?

Die Schriftstellerin Juli Zeh hat ihren Dresdner Kollegen Uwe Tellkamp eingeladen, mit ihr über seine Äußerungen zu Flüchtlingen und die politischen und gesellschaftlichen Zustände zu diskutieren. Zeh sagte dem MDR Kultur, sie wolle wissen, was hinter seinen Sorgen umDeutschland stecke: „Ob es wirklich so ist, dass die in erster Linie auf Irrtümern beruhen, was meinEindruck ist, oder ob es da Dinge gibt, die ich nicht verstehe“.

MdL Dr. Kirsten Muster, kulturpolitische Sprecherin der Blauen Gruppe im Sächsischen Landtag, kommentiert:

„Ausdrücklich befürworte ich jeglichen Dialog zwischen Menschen mit unterschiedlichenPositionen. Dass Frau Zeh, anders als manche ihrer Künstlerkollegen, nicht sofort mit dem Säbel auf Uwe Tellkamp losgeht, ist anzuerkennen. Dennoch habe ich das Gefühl, das Gesprächsangebot ist aus einer Not heraus geboren. Im Internet haben zahlreiche Intellektuelle,Künstler, Publizisten und inzwischen auch normale Bürger die ‚Gemeinsame Erklärung 2018‘unterschrieben. Sie richten sich in ihrem Appell gegen die Politik von Angela Merkel und des Bundeskabinetts. Sie fordern sie zum Umdenken und Umsteuern in verschiedenen Politikfeldern auf. Der Weckruf findet inzwischen Resonanz in den Leitmedien und dadurch es wird schwerer, ihm aus dem Weg zu gehen und ihn unbeachtet zu lassen.

So gut und wichtig Dialogbereitschaft ist – warum gab es in den letzten zwei, drei Jahren keine Angebote dieser Couleur? Seriöse Kritiker wurden vielfach geschmäht. Erst jetzt, da sich die Gesellschaft und politische Landschaft verändert, reicht man dem Gegenüber die Hand. Es wäre wichtiger und dem Zusammenhalt in unserem Land dienlicher gewesen, wenn sich Kritiker und Befürworter schon früher auf Augenhöhe getroffen hätten. So hat Zehs Offerte einen leicht bitterenBeigeschmack, ganz nach dem Motto: ‚Jetzt muss man eben auch mal mit denen reden‘.“